Die Maschen der Affiliate-Betrüger – Auch schon in die Falle getappt?

Affiliate-Marketing ist immer noch einer der Hauptkanäle im Marketing-Mix vieler Unternehmen. Und wo es viel Geld zu verdienen gibt, da sind die Betrüger und schwarzen Schafe häufig nicht weit entfernt. Doch welche Betrugsmaschen nutzen die Affiliates und welche Möglichkeiten gibt es, sich als Advertiser davor zu schützen?
Wir stellen die häufigsten Betrugsmöglichkeiten vor und geben Tipps, wie man sich als Advertiser davor schützen kann.

Betrugsmaschen im Affiliate-Marketing

Cookie Stuffing / Cookie Dropping

Betrugsmasche:

Die Affiliates simulieren mit Hilfe von iFrames, (automatischen) Weiterleitungen, Images etc. Nutzer-Klicks, ohne dass ein realer Klick auf das entsprechende Werbemittel stattgefunden hat. Durch die simulierten Klicks werden im Browser des Website-Besuchers Cookies von Partnerprogrammen gesetzt. Bestellt der Besucher nach dem Cookie Dropping bei einem der Partnershops, erhält der Affiliate eine Provision für eine Werbeleistung, die er nie erbracht hat.

Tipps:

Die regelmäßige Kontrolle des Netzwerk-Accounts ist ein absolutes Muss. Ist hier zum Beispiel bei einem Affiliate die Click-Trough-Rate besonders hoch oder steigen die Klicks bei einem Affiliate in kurzer Zeit stark an, dann sollten diese Affiliates besonders gut im Auge behalten bzw. regelmäßig überprüft werden.
Des Weiteren empfiehlt sich der Einsatz einer Cookie-Weiche/Trackingweiche, insbesondere wenn mehrere Marketing-Kanäle und Affiliate-Netzwerke im Einsatz sind.

Ad-Hijacking / Brand-Hijacking

Betrugsmasche:

Beim Ad-Hijacking kopiert der Affiliate die Google AdWords Anzeigen des Advertiserers exakt 1:1 und bewirbt diese über den eigenen AdWords-Account. Hierbei liegt das Gebot des Affiliates gezielt minimal über dem Advertiser-Gebot, so dass im Suchergebnis die Anzeige des Affiliates angezeigt wird. Der Affiliate profitiert im Folgenden von der Bekanntheit und Attraktivität der Marke und greift so mögliche Interessenten bzw. Kunden ab und leitete diese inklusive Publisher-ID/Partnercode direkt zur Advertiserseite weiter. Kauft der Interessent bzw. Kunde im Anschluss beim Advertiser, kassiert der Affiliate unrechtmäßig eine Provision.

Tipps:

Die Kontrolle durch den Advertiser gestaltet sich bei dieser Betrugsmasche leider durchaus schwierig, da die Affiliates die AdWords Anzeigen sehr gezielt ausspielen und somit sehr schwer aufzudecken sind. Zum Beispiel durch Ausschluss der Anzeigen in Gebieten und Städten, in denen der Advertiser bzw. die betreuende Agentur sitzt oder durch Anzeigenschaltung erst in den Abendstunden nach Feierabend. Zum sicheren und dauerhaften Schutz hilft hier nur die regelmäßige Kontrolle mit Hilfe von automatisierten und genauen Monitoring-Tools, die von einigen Anbietern am Markt zur Verfügung gestellt werden. Zusätzlich sollten SEA-Aktivitäten in den Affiliate-Teilnahmebedingen des Partnerprogramms strikt untersagt werden.

Affiliate-Hopping

Betrugsmasche:

Ist ein Advertiser mit seinem Partnerprogramm in mehreren Affiliate-Netzwerken aktiv, dann meldet sich der Affiliate bei allen Netzwerken als Publisher an. Beim Einbau des Werbemittels auf seiner Website, verlinkt der Affiliate das Werbemittel so, dass nicht nur ein Netzwerk-Cookie gesetzt wird, sondern die Cookies aller Netzwerke bei denen der Advertiser vertreten ist.
Klickt der Besucher auf das bearbeitete Werbemittel und kauft dann beim Advertiser, werden am Ende der Bestellung – sollte der Advertiser keine technischen Vorkehrungen getroffen haben (Cookie-Weiche etc.) – alle Cookies ausgelesen und die Bestellung wird an alle Netzwerke übermittelt. Findet keine nachgelagerte Prüfung der Sales durch den Advertiser statt, erhält der Affiliate die Provision für eine einzige Bestellung mehrfach.

Tipps:

Der Advertiser kann sich vor dieser Betrugsmasche unter anderem mit dem Einsatz einer Cookie-Weiche/Trackingweiche schützen, so dass die Bestellung immer nur einem Kanal/Netzwerk zugerechnet wird.
Alternativ kann ein netzwerkübergreifender Abgleich der Transaktionen vor Freigabe der Affiliate-Provisionen erfolgen. Bestellungen, die am selben Tag zur selben Uhrzeit mit identischem Warenkorb über unterschiedliche Netzwerke erfasst wurden, sollten nur einmal freigegeben werden.

Fake-Bestellungen

Betrugsmasche:

Der Affiliate bestellt im Webshop des Advertisers unter eigenem oder falschem Namen hochpreisige Produkte und storniert bzw. retourniert diese im Anschluss wieder. Die Bestellung inklusive der damit verbundenen Provision wurde jedoch bereits an das Affiliate-Netzwerk übermittelt. Fehlt dem Advertiser die Verbindung zwischen dem Warenwirtschaftssystem und Affiliate-Netzwerk, kann die Bestellung nicht auf Plausibilität überprüft werden und wird im Zweifel durch den Advertiser freigegeben. Der Affiliate kassiert somit eine Provision für eine Bestellung, die faktisch gar nicht zustande gekommen ist.

Tipps:

Zur Prävention dieser Betrugsmasche muss ein Abgleich der Bestellungen aus den Affiliate-Netzwerken mit dem Warenwirtschaftssystem erfolgen, um so nicht zustande gekommene Bestellungen in den Netzwerken zu identifizieren und zu stornieren. Ist ein automatisierter Abgleich nicht möglich, empfiehlt sich eine manuelle Prüfung, insbesondere der sehr hochpreisigen Bestellungen.

Zusammenfassung

Durch ausführliche Teilnahmebedingungen sowie ein regelmäßiges Reporting und Monitoring lassen sich die meisten Betrugsversuche im Affiliate-Marketing vermeiden bzw. aufdecken. Wurde ein betrügerischer Affiliate identifiziert, der mit unlauteren Methoden arbeitet, sollte dieser im ersten Schritt gebeten werden damit aufzuhören. Zeigt dies keine Wirkung, sollte der Affiliate aus dem Partnerprogramm ausgeschlossen und die Einleitung weiterer rechtlicher Schritte geprüft werden.

Noch ein persönliches Wort zum Abschluss: Die meisten Affiliates arbeiten sauber und ohne jegliche Betrugsversuche, so dass es sich nur um eine sehr kleine Gruppe von betrügerischen Affiliates handelt, die häufig die ganze Branche in Verruf geraten lässt. Aus meiner Sicht kann Affiliate-Marketing trotzdem weiterhin als seriöser Marketing-Kanal gesehen und genutzt werden.

Foto: Axel Hoffmann / www.pixelio.de